Die angekündigte Entlastung über niedrigere Übertragungsnetzentgelte kommt bei vielen privaten Haushalten offenbar deutlich schwächer an als erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Marktcheck des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Demnach wird das Ziel einer spürbaren Entlastung von rund 100 Euro pro Jahr in fast allen untersuchten Regionen verfehlt.
Aus Sicht des vzbv ist das auch deshalb problematisch, weil die Stromkosten weiterhin ein zentrales Thema für Haushalte bleiben und sich die Preisrisiken durch internationale Entwicklungen wieder erhöhen können.
Netzentgelt-Zuschuss wirkt regional sehr unterschiedlich
Laut Marktcheck variiert die tatsächliche Ersparnis stark nach Netzgebiet. In den untersuchten Netzen liegt die Entlastung für einen typischen Haushalt dem Bericht zufolge zwischen 18 Euro pro Jahr (als Beispiel wird Rostock genannt) und 109 Euro pro Jahr (Beispiel Mainz). Im Durchschnitt ergeben sich 56 Euro pro Jahr, was einer Entlastung von 1,61 Cent pro Kilowattstunde und rund 15 Prozent weniger Netzentgelten entspricht.
Der vzbv kritisiert, dass damit die Erwartungen vieler Haushalte nicht erfüllt werden und die Wirkung regional sehr ungleich ausfällt. Zudem verweist der Verband darauf, dass Industriekunden relativ stärker profitieren: Der finanzielle Vorteil durch niedrigere Netzentgelte fällt in der Auswertung für Industriekunden im Schnitt deutlich höher aus als für private Verbraucher.
Stromsteuer-Senkung wäre laut vzbv einheitlicher und planbarer
Als Alternative schlägt der vzbv eine Senkung der Stromsteuer für private Haushalte auf das europäische Mindestmaß von 0,1 Cent pro Kilowattstunde vor. Für einen typischen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch würde das nach Berechnung des Verbands rund 68 Euro Entlastung pro Jahr bedeuten und bundesweit gleich wirken, unabhängig vom Netzgebiet.
Darüber hinaus regt der Verband an, auch weitere Umlagen auf den Strompreis zu senken. Als Orientierungsgröße nennt der vzbv die im Koalitionsvertrag angekündigte Entlastung in Höhe von fünf Cent pro Kilowattstunde und beziffert für eine Kombination aus Stromsteuer-Senkung und Wegfall von Umlagen eine mögliche Entlastung von rund 171 Euro pro Jahr für einen typischen Haushalt.
Was Haushalte jetzt konkret tun können
Ob und wann politische Entlastungen in voller Höhe bei Haushalten ankommen, hängt von der konkreten Umsetzung ab. Unabhängig davon bleibt für viele Verbraucher der schnellste Hebel der eigene Tarif: In der Praxis unterscheiden sich Arbeitspreis, Grundpreis, Laufzeit und Art der Preisgarantie je nach Anbieter teils deutlich. Wer länger nicht geprüft hat oder noch in einem teuren Tarif steckt, kann oft auch ohne neue Gesetze sparen.
Ein Strompreisvergleich auf unserer Seite zeigt, welche Tarife aktuell in Ihrer Region verfügbar sind und ob ein Wechsel bei Ihren Stromkosten sinnvoll sein kann.










