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Strompreise bleiben hoch: Entspannung möglicherweise erst 2029

Wer auf eine schnelle Entspannung bei den Strompreisen hofft, könnte enttäuscht werden. Nach Einschätzung eines Energieökonomen dürfte es noch mehrere Jahre dauern, bis sich die Preise am deutschen Stromgroßhandel wieder dem Niveau vor der Energiekrise annähern.
Hanns Koenig vom Beratungsunternehmen Aurora Energy Research hält eine solche Entwicklung erst 2029 oder 2030 für möglich. Seine Prognose fällt in eine Phase, in der Strom für die Lieferung im kommenden Jahr am Terminmarkt bereits mehr als 150 Euro je Megawattstunde kostet. Zu Jahresbeginn lag der entsprechende Preis noch deutlich niedriger.
Für Privathaushalte ist das ein Warnsignal, aber keine feste Vorhersage für ihre Stromrechnung. Denn zwischen den Preisen an der Energiebörse und den Tarifen der Versorger liegen weitere Kosten und unterschiedliche Einkaufsstrategien.
Warum günstiger Windstrom allein nicht ausreicht
Deutschland erzeugt immer mehr Elektrizität aus Wind und Sonne. Trotzdem können teure Gaskraftwerke den Strompreis am Großhandelsmarkt weiterhin stark beeinflussen.
Der Hintergrund ist das sogenannte Merit-Order-Prinzip. An der Strombörse werden Kraftwerke entsprechend ihrer kurzfristigen Erzeugungskosten eingesetzt. Das zuletzt benötigte Kraftwerk bestimmt in der Regel den Preis für die jeweilige Handelsperiode.
Ist dafür ein Gaskraftwerk erforderlich, können hohe Gaspreise auch den Börsenpreis für Strom nach oben treiben.
Koenig geht davon aus, dass Gaskraftwerke selbst bei einem künftig sehr hohen Anteil erneuerbarer Energien noch häufig preisbestimmend bleiben. Eine Rückkehr zu Großhandelspreisen von etwa 75 bis 80 Euro je Megawattstunde erwartet er daher erst in einigen Jahren.
Ob seine Prognose eintritt, hängt unter anderem von der weiteren Entwicklung der Gaspreise ab.
Was bedeutet die Prognose für die Stromrechnung?
Für Haushalte ist vor allem die zeitliche Verzögerung entscheidend. Energieversorger kaufen Strom häufig Monate oder Jahre im Voraus ein. Deshalb werden steigende Großhandelspreise nicht bei jedem Bestandskunden sofort sichtbar.
Umgekehrt gilt aber auch: Wenn die Börsenpreise wieder sinken, müssen die Stromtarife nicht unmittelbar im gleichen Umfang günstiger werden.
Neben der Strombeschaffung beeinflussen Netzentgelte, Steuern, Umlagen und die Konditionen des jeweiligen Anbieters den Endpreis.
Eine Entspannung am Großhandelsmarkt erst 2029 oder 2030 würde deshalb nicht bedeuten, dass sämtliche Haushalte bis dahin unverändert hohe Strompreise zahlen müssen. Einzelne Tarife können sich auch vorher günstiger entwickeln.
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