Industriestrom: individuelle Stromverträge für Großverbraucher
Von Ron Boschert, Redaktion stromvermittlung.de · Stand
Das Wichtigste in Kürze
- Industriestrom ist die Stromversorgung von Großverbrauchern – in der Regel ab rund 100.000 kWh/Jahr bzw. mehr als 30 kW Leistung.
- Abgerechnet wird über die registrierende Leistungsmessung (RLM) mit viertelstündlichem Lastgang. Der Preis besteht aus Arbeits- und Leistungspreis.
- Verträge werden individuell kalkuliert – Standard-Online-Tarife gibt es hier nicht. Es lohnt der Vergleich mehrerer individueller Angebote.
- Unter 100.000 kWh/Jahr ist Gewerbestrom die richtige Wahl und online vergleichbar.
Was ist Industriestrom?
Industriestrom bezeichnet die Stromversorgung von Großverbrauchern – produzierendem Gewerbe, größeren Betrieben, Rechenzentren, Kühlhäusern oder Unternehmen mit mehreren Standorten. Maßgeblich ist nicht die Branche, sondern der Verbrauch: Ab rund 100.000 kWh pro Jahr bzw. mehr als 30 kW Anschlussleistung gilt die registrierende Leistungsmessung (RLM), und der Strom wird zu individuell verhandelten Konditionen geliefert.
Industriestrom oder Gewerbestrom – wo ist die Grenze?
| Gewerbestrom | Industriestrom | |
|---|---|---|
| Verbrauch | bis ca. 100.000 kWh/Jahr | ab ca. 100.000 kWh/Jahr |
| Messung | Standardlastprofil (SLP) | registrierende Leistungsmessung (RLM) |
| Preis | Arbeits- + Grundpreis | Arbeits- + Leistungspreis |
| Abschluss | online vergleichbar | individuelles Angebot |
Liegen Sie unter der Grenze, vergleichen Sie Gewerbestrom-Tarife direkt online. Der grundsätzliche Unterschied der Vertragsarten ist im Ratgeber Gewerbestrom oder Privatstrom erklärt.
Wie setzt sich der Industriestrompreis zusammen?
Anders als bei Haushalts- und kleinen Gewerbetarifen kommt zum Arbeitspreis ein Leistungspreis hinzu:
- Arbeitspreis (ct/kWh): für die tatsächlich verbrauchte Energie – häufig an der Strombörse beschafft (Festpreis, Tranchenbeschaffung oder Spotmarkt-Bezug).
- Leistungspreis (€/kW pro Jahr): richtet sich nach der höchsten gemessenen Leistung (Lastspitze). Wer Lastspitzen vermeidet, senkt diesen Posten spürbar.
- Netzentgelte: abhängig von Netzgebiet und Nutzungsverhalten; für gleichmäßige oder atypische Abnehmer sind Reduzierungen möglich (§ 19 StromNEV).
- Steuern, Abgaben & Umlagen inkl. Stromsteuer sowie die Umsatzsteuer (für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen abziehbar).
RLM: registrierende Leistungsmessung
Ab 100.000 kWh/Jahr wird Ihr Verbrauch viertelstündlich gemessen (Lastgang). Aus diesem Lastprofil ergeben sich der Leistungspreis (nach der höchsten Viertelstunde) und die Beschaffungsstrategie. Der Lastgang ist die Grundlage jedes individuellen Angebots – je genauer er vorliegt, desto belastbarer das Angebot.
Wie bekomme ich ein Industriestrom-Angebot?
Industriestrom wird nicht über Standard-Online-Tarife abgeschlossen, sondern über eine individuelle Anfrage oder Ausschreibung. Spezialisierte Energiedienstleister und Portale (etwa wattline, Verivox Industriestrom oder enportal) holen dafür Angebote ein. Da wir Industriestrom nicht selbst vermitteln, verlinken wir diese Anbieter bewusst nicht – wir können Ihre Anfrage aber nach Ihrer Bestätigung an passende Anbieter weiterleiten (siehe Formular unten).
Industriestromkosten senken
- Lastspitzen vermeiden: Große Verbraucher zeitlich versetzt schalten – senkt den Leistungspreis.
- Reduzierte Netzentgelte: bei atypischer oder intensiver Netznutzung (§ 19 Abs. 2 StromNEV) sowie § 14a EnWG für steuerbare Verbrauchseinrichtungen.
- Beschaffungsstrategie: Festpreis, Tranchen oder Spotmarkt – je nach Risikobereitschaft; ggf. PPA (Power Purchase Agreement).
- Eigenerzeugung: PV und Speicher senken den Netzbezug dauerhaft.
Individuelles Industriestrom-Angebot anfragen
Hinterlassen Sie Ihre Angaben – nach Ihrer Bestätigung (Double-Opt-in) leiten wir die Anfrage zur Einholung individueller Angebote an passende Industriestrom-Anbieter weiter. Die Anfrage ist kostenlos und unverbindlich.
Häufige Fragen zu Industriestrom
Was ist Industriestrom?
Industriestrom bezeichnet die Stromversorgung von Großverbrauchern mit hohem, gleichmäßigem Verbrauch – in der Regel ab rund 100.000 kWh/Jahr bzw. mehr als 30 kW Leistung. Abgerechnet wird über die registrierende Leistungsmessung (RLM) mit viertelstündlichem Lastgang; die Verträge werden individuell kalkuliert und nicht über Standard-Online-Tarife abgeschlossen.
Ab welchem Verbrauch brauche ich Industriestrom?
Ab etwa 100.000 kWh Jahresverbrauch oder mehr als 30 kW Anschlussleistung greift die registrierende Leistungsmessung (RLM). Darunter werden Betriebe über ein Standardlastprofil (SLP) abgerechnet und können Gewerbestrom online vergleichen.
Wie setzt sich der Industriestrompreis zusammen?
Aus einem Arbeitspreis (ct/kWh) und einem Leistungspreis (€/kW pro Jahr nach der höchsten gemessenen Leistung), dazu Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen sowie die Umsatzsteuer. Der Energieanteil wird häufig an der Strombörse beschafft – als Festpreis, in Tranchen oder mit Spotmarkt-Bezug.
Was ist der Unterschied zwischen Gewerbestrom und Industriestrom?
Gewerbestrom richtet sich an kleine und mittlere Betriebe bis rund 100.000 kWh/Jahr (Standardlastprofil, online vergleichbar). Industriestrom betrifft Großverbraucher mit registrierender Leistungsmessung und sehr hohem Verbrauch – diese Verträge werden individuell verhandelt.
Wie bekomme ich ein Industriestrom-Angebot?
Über eine individuelle Anfrage oder Ausschreibung bei spezialisierten Energiedienstleistern. Sie hinterlassen Verbrauch, Lastprofil und Standort; passende Anbieter erstellen daraufhin ein individuelles Angebot. Über das Formular auf dieser Seite holen wir nach Ihrer Bestätigung Angebote für Sie ein.
Wie können Industriekunden ihre Stromkosten senken?
Durch reduzierte Netzentgelte bei atypischer oder intensiver Netznutzung (§ 19 Abs. 2 StromNEV), Lastspitzenmanagement (Senkung des Leistungspreises), Beschaffung in Tranchen oder über PPAs, Eigenerzeugung (z. B. PV) sowie § 14a EnWG für steuerbare Verbrauchseinrichtungen.
