Strom selbst erzeugen
Vom Balkonkraftwerk für 400 Euro bis zur Dachanlage als Jahrzehnte-Investition: Welche Wege es gibt, was sie leisten und für wen sie sich rechnen. Ohne Verkaufsversprechen, mit den Einschränkungen, die dazugehören.
- Der Gewinn liegt im Eigenverbrauch. Selbst genutzter Strom spart den vollen Strompreis, eingespeister bringt nur die Vergütung.
- Für Mieter ist das Balkonkraftwerk der einzige praktikable Weg. Seit dem Solarpaket I vom 16. Mai 2024 ist die Hürde deutlich niedriger.
- Rund 600 kWh im Jahr liefert ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt, das sind 10 bis 20 Prozent eines Haushalts mit 3.000 kWh.
- Ein Speicher lohnt sich zur Dachanlage eher als zum Balkonkraftwerk, weil dort überhaupt Überschuss anfällt.
- Eigenerzeugung ersetzt den Stromvertrag nicht. Den Reststrom kaufen Sie weiter zu, ein guter Tarif bleibt also relevant.
Welche Möglichkeiten gibt es?
Fünf Wege, sortiert danach, wie leicht der Einstieg fällt.
Steckerfertige Mini-Solaranlage für Balkon, Terrasse, Garten oder Fassade. Der Einstieg mit dem geringsten Aufwand und der einzige, der auch zur Miete praktisch funktioniert.
Photovoltaik auf dem DachDie klassische Dachanlage deckt einen erheblichen Teil des Jahresverbrauchs. Investition über Jahrzehnte, mit Einspeisevergütung und steuerlichen Besonderheiten.
StromspeicherVerschiebt selbst erzeugten Strom in die Abendstunden und hebt damit den Eigenverbrauch. Sinnvoll vor allem zur Dachanlage, selten zum Balkonkraftwerk.
BlockheizkraftwerkErzeugt Strom und Wärme zugleich. Rechnet sich über den Wärmebedarf, nicht über den Strom, und passt daher zu Gebäuden mit hohem, gleichmäßigem Verbrauch.
KleinwindkraftanlageKlingt naheliegend, ist im Privatbereich aber die Ausnahme: Standort, Genehmigung und Windhöffigkeit entscheiden, und die Bedingungen sind selten günstig.
Die Wege im Vergleich
Wo keine belastbare Zahl steht, hängt sie so stark vom Einzelfall ab, dass eine Angabe in die Irre führen würde.
| Weg | Anschaffung | Typischer Ertrag | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Balkonkraftwerk | 400 bis 1.000 € | rund 600 kWh/Jahr | Mieter und Eigentümer mit wenig Platz |
| Photovoltaik auf dem Dach | Investitionsentscheidung | deckt Verbrauch anteilig | Eigentümer mit geeignetem Dach |
| Stromspeicher | je nach Kapazität | kein eigener Ertrag | wer tagsüber wenig verbraucht |
| Blockheizkraftwerk | Investitionsentscheidung | ganzjährig, wetterunabhängig | Eigenheim mit hohem Wärmebedarf |
| Kleinwindkraftanlage | stark standortabhängig | stark standortabhängig | Sonderfälle mit freier Lage |
Zur Miete
Das Balkonkraftwerk ist hier der realistische Einstieg. Es braucht keinen Eingriff in die Bausubstanz, ist steckerfertig und wandert beim Umzug mit. Vermieter und Eigentümergemeinschaft können die Zustimmung seit 2024 nur noch aus wichtigem Grund verweigern. Prüfen Sie vorab die Befestigung am Geländer und ob Ihr Zähler eine Rücklaufsperre hat.
Zum BalkonkraftwerkIm Eigenheim
Hier lohnt der Blick auf die Kombination: Dachanlage für die Menge, Speicher für die Abendstunden, gegebenenfalls Wärmepumpe oder Wallbox als Abnehmer für den eigenen Strom. Wer ohnehin saniert oder neu baut, entscheidet günstiger als bei einer späteren Nachrüstung.
Zur PhotovoltaikTiefer einsteigen
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Häufige Fragen
Lohnt sich Strom selbst erzeugen überhaupt noch?
Ja, aber der Hebel liegt im Eigenverbrauch, nicht in der Einspeisung. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart den vollen Strompreis, jede eingespeiste bringt nur die Einspeisevergütung. Anlagen rechnen sich deshalb umso schneller, je mehr Strom Sie zur Erzeugungszeit selbst nutzen.
Darf ich als Mieter Strom selbst erzeugen?
Ja. Ein Balkonkraftwerk ist die praktikable Lösung für Mietwohnungen: steckerfertig, ohne bauliche Eingriffe, seit dem Solarpaket I vom 16. Mai 2024 deutlich einfacher anzumelden. Vermieter und Eigentümergemeinschaft können die Zustimmung nur noch aus wichtigem Grund verweigern.
Wie viel Strom liefert ein Balkonkraftwerk?
Bei 800 Watt Einspeiseleistung sind rund 600 kWh im Jahr realistisch, also etwa 10 bis 20 Prozent des Verbrauchs eines durchschnittlichen Haushalts mit 3.000 kWh. Entscheidend sind Ausrichtung und Verschattung, ideal sind 30 bis 35 Grad Neigung nach Süden.
Was kostet der Einstieg?
Ein Balkonkraftwerk liegt üblicherweise zwischen 400 und 1.000 Euro und amortisiert sich in etwa vier bis sechs Jahren. Eine Dachanlage bewegt sich in einer anderen Größenordnung und ist eine Investitionsentscheidung über Jahrzehnte, dafür deckt sie einen erheblichen Teil des Verbrauchs.
Brauche ich einen neuen Stromzähler?
Möglicherweise. Ein alter Ferraris-Zähler ohne Rücklaufsperre würde rückwärts laufen, das ist nicht zulässig. Netzbetreiber tauschen solche Zähler bei der Anmeldung in der Regel aus, für Sie entsteht dabei kein zusätzlicher Aufwand.
Lohnt sich ein Stromspeicher dazu?
Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch, kostet aber selbst Geld. Bei einem Balkonkraftwerk lohnt er sich selten, weil die erzeugte Menge klein ist. Bei einer Dachanlage kann er sinnvoll sein, wenn Sie tagsüber wenig Strom verbrauchen.
Auch mit eigener Erzeugung kaufen Sie den größten Teil Ihres Stroms weiter zu. Der Tarif dafür bleibt der größere Hebel auf der Rechnung. Postleitzahl und Verbrauch oben eingeben, dann sehen Sie die Tarife für Ihre Adresse.
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