Smarte Thermostate: Was sie wirklich sparen
Redaktion stromvermittlung.de · Preisdaten: eigene Erhebung, Stand
Smarte Thermostate regeln die Heizung, nicht den Strom. Das klingt nach einer Kleinigkeit, entscheidet aber darüber, ob sich die Anschaffung auf Ihrer Stromrechnung überhaupt bemerkbar macht: In einem Haushalt mit Gastherme sparen sie Gas. Zum Stromthema werden sie erst mit einer Wärmepumpe, einer Nachtspeicher- oder einer Infrarotheizung — dort läuft die gesamte Wärme über den Stromzähler.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein smartes Thermostat spart Heizenergie. Ob das Ihre Strom- oder Ihre Gasrechnung betrifft, hängt allein an der Heizung.
- Der größere Teil der Ersparnis kommt nicht vom Zeitplan, sondern von den Automatiken: Abwesenheitserkennung, Fenster-offen-Erkennung, Wetteranpassung.
- Genau diese Funktionen sind bei mehreren Anbietern kostenpflichtig, oft als monatliches Abo. Das mindert die Ersparnis dauerhaft.
- Bei einer Wärmepumpe mit 4.000 kWh im Jahr wären 22 Prozent nach unserem Strompreis rund 269 €. Ein Tarifwechsel bringt im selben Haushalt 194 € — ohne Anschaffung.
- Alle Prozentangaben stammen von Herstellern. Wir haben sie nicht nachgemessen.
Wie ein smartes Thermostat funktioniert
Ein klassisches Heizkörperthermostat kennt genau eine Größe: die Raumtemperatur. Es öffnet und schließt das Ventil, bis der eingestellte Wert erreicht ist. Wer nachts absenken will, muss selbst am Rad drehen.
Ein smartes Thermostat sitzt an derselben Stelle, hat aber eine Verbindung ins Netz und damit Zugriff auf Informationen, die das Ventil allein nicht hat. Drei davon machen den Unterschied.
Einzelraumregelung
Jeder Raum bekommt seinen eigenen Zeitplan und seine eigene Temperatur. Das Schlafzimmer muss nicht so warm sein wie das Wohnzimmer, ein selten genutztes Gästezimmer läuft dauerhaft niedriger. Das ist die Grundfunktion, für die es üblicherweise kein Abo braucht.
Abwesenheitserkennung
Das System erkennt am Standort der Mobiltelefone, ob jemand zu Hause ist, und fährt die Heizung herunter, wenn die Wohnung leer ist. Vor der Rückkehr heizt es wieder an, damit die Wunschtemperatur pünktlich erreicht ist. Hier entsteht bei den meisten Haushalten der größte Anteil der Ersparnis.
Fenster-offen-Erkennung
Fällt die Temperatur schnell ab, schließt das Ventil, statt gegen das offene Fenster anzuheizen. Bei einem Heizkörper unter dem Fenster ist das der Fall, in dem ohne Automatik am meisten Wärme direkt nach draußen geht.
Woher die Ersparnis tatsächlich kommt
Alle drei Funktionen tun im Kern dasselbe: Sie verhindern, dass geheizt wird, wenn es niemandem nützt. Nicht die Technik spart, sondern die Zeit, in der die Heizung aus bleibt.
Daraus folgt etwas, das auf Herstellerseiten selten steht: Wer bereits diszipliniert heizt, spart wenig. Wenn Sie ohnehin nachts absenken, beim Lüften das Ventil zudrehen und Räume unterschiedlich temperieren, macht die Automatik das nur bequemer, nicht billiger. Der große Effekt entsteht dort, wo bisher gar nicht geregelt wurde.
Umgekehrt gilt: Je unregelmäßiger Ihr Alltag ist, desto mehr trägt die Abwesenheitserkennung. Wer zu wechselnden Zeiten aus dem Haus geht, kann das mit einem Zeitplan nicht abbilden — mit einer Standorterkennung schon.
Wann smarte Thermostate zum Stromthema werden
Diese Seite steht auf einem Portal, das ausschließlich Strom behandelt. Deshalb die klare Ansage:
Gas- oder Ölheizung: Das smarte Thermostat senkt Ihre Heizkosten. Auf der Stromrechnung ändert sich nichts, außer dem geringen Eigenverbrauch der Geräte selbst.
Wärmepumpe, Nachtspeicher- oder Infrarotheizung: Die Wärme kommt aus Strom. Hier wirkt jede eingesparte Kilowattstunde direkt auf die Stromrechnung — und weil diese Haushalte ein Vielfaches des üblichen Verbrauchs haben, wirkt sie stark.
Die Rechnung bei einer Wärmepumpe
Wir haben eine typische Herstellerangabe einmal in Euro übersetzt. Grundlage ist eine Wärmepumpe mit 4.000 kWh Jahresverbrauch — dieselbe Annahme wie in unserem Wärmepumpenstrom-Rechner — und der durchschnittliche Arbeitspreis günstiger Tarife aus unserer laufenden Erhebung.
| Jahresverbrauch der Wärmepumpe | 4.000 kWh |
|---|---|
| Arbeitspreis, günstiger Tarif | 30,56 ct/kWh |
| Stromkosten der Heizung im Jahr | 1.222 € |
| Davon 22 % (Herstellerangabe) | 269 € |
| abzüglich Abo (29,99 € im Jahr) | 239 € |
| Zum Vergleich: Wechsel aus der Grundversorgung | 194 € |
Die 22 Prozent sind eine Herstellerangabe für den Energieverbrauch allgemein, nicht speziell für Wärmepumpen. Wir rechnen sie um, um die Größenordnung zu zeigen, nicht als Zusage. Die letzte Zeile ist unsere eigene Messung: der Unterschied zwischen 35,40 ct/kWh in der Grundversorgung und 30,56 ct/kWh in einem günstigen Tarif, bei 4.000 kWh. Erhebung in rund 13.000 Postleitzahlen, Stand 30.07.2026. Anschaffungskosten sind nicht enthalten.
Die letzte Zeile ist der unbequeme Teil: Der Tarifwechsel bringt in diesem Beispiel mehr als die gesamte Regelungstechnik, kostet nichts und ändert nichts am Alltag. Beides zusammen ist natürlich am besten — aber wer nur eines tun will, fängt beim Tarif an.
Was es kostet
Zwei Posten, und der zweite wird beim Kauf gern übersehen.
Die Geräte. Ein Heizkörper-Thermostat je Heizkörper, dazu je nach System eine Bridge für die Verbindung ins Netz und gegebenenfalls ein Raumthermostat, das die Heizung selbst ansteuert. Die Preise dafür tragen wir gerade zusammen und nennen sie hier, sobald wir sie belastbar haben.
Das laufende Abo. Mehrere Anbieter stellen die Automatiken hinter eine monatliche Gebühr. Bei tado° etwa sind Zeitpläne und App-Steuerung ohne laufende Kosten nutzbar; Abwesenheitserkennung, Fenster-offen-Erkennung, Vorheizen, Wetteranpassung und adaptives Heizen gehören zum kostenpflichtigen AI Assist, den der Anbieter mit 3,99 € im Monat oder 29,99 € im Jahr angibt.
Das ist deshalb wichtig, weil ausgerechnet die Funktionen hinter dem Abo stehen, die den größten Teil der beworbenen Ersparnis ausmachen. Wer nur den Zeitplan nutzt, bekommt einen bequemeren Drehregler — nicht die beworbenen Prozente. Rechnen Sie das Abo über fünf Jahre mit, dann stimmt der Vergleich zwischen den Systemen.
Worauf Sie achten sollten
- Welche Funktion kostet extra? Vergleichen Sie nicht die Gerätepreise, sondern die Gesamtkosten über fünf Jahre, Abo eingerechnet.
- Passt es an Ihre Heizkörper? Die Ventilanschlüsse sind nicht einheitlich. Die meisten Hersteller liefern Adapter mit, aber nicht für jedes Fabrikat.
- Wärmepumpe im Haus? Sprechen Sie vor dem Kauf mit dem Heizungsbauer. Wie stark man dort absenken sollte, ist eine Frage der Anlage und nicht der App.
- Was passiert ohne Internet? Ein gutes System heizt nach dem letzten bekannten Zeitplan weiter, statt in einen Grundzustand zu fallen.
- Wie lange gibt es Updates? Ein Thermostat hält technisch 15 Jahre. Ob die zugehörige App das auch tut, ist eine andere Frage.
Wenn der Hersteller auch Strom verkauft
Einige Anbieter von Heizungstechnik verkaufen inzwischen selbst Strom, tado° etwa unter dem Namen tado° Energy. Das kann praktisch sein, weil Steuerung und Tarif aus einer Hand kommen — es ersetzt aber keinen Preisvergleich. Was der Tarif taugt, wie er abgerechnet wird und was er voraussetzt, haben wir unabhängig davon geprüft: tado Energy im Anbieterprofil.
