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Stromsteuer soll sinken: 81 Euro Entlastung, aber 248 Euro durch einen Tarifwechsel
Die Stromsteuer soll auch für private Haushalte sinken. Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Montag angekündigt, sie auf das europäische Mindestniveau zu senken. Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch wären das rechnerisch rund 81 Euro im Jahr. Unsere Tarifdaten zeigen: Wer aus der Grundversorgung in einen günstigen Tarif mit Preisgarantie wechselt, spart im Schnitt rund 248 Euro im Jahr, und zwar ohne Boni.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die Steuersenkung brächte einem Haushalt mit 3.500 kWh rund 81 Euro im Jahr. Wann sie kommt, ist offen.
- Der Wechsel aus der Grundversorgung in den günstigsten Tarif mit Preisgarantie spart nach unseren Daten im Schnitt 248 Euro im Jahr, ohne Boni.
- Eine Preisgarantie schließt die Steuersenkung nicht aus: Bei allen Garantiearten ist die Stromsteuer ausgenommen.
- Ob und wann Anbieter die Senkung weitergeben, ist noch nicht geregelt. Sie kann mit steigenden Netzentgelten verrechnet werden.
Für Verbraucher bedeutet die Ankündigung deshalb nicht, dass sich Abwarten lohnt. Ein Zeitpunkt für die Senkung steht noch nicht fest, ein Gesetz gibt es bisher nicht. Auch die Finanzierung ist offen.
Was die Steuersenkung bringen würde
Die Stromsteuer beträgt für private Haushalte 2,05 Cent je Kilowattstunde. Der europäische Mindestsatz liegt bei 0,1 Cent. Die Entlastung läge damit bei 1,95 Cent, einschließlich Mehrwertsteuer bei rund 2,32 Cent je Kilowattstunde. Bisher gilt der niedrige Satz nur für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft.
| Jahresverbrauch | Entlastung pro Jahr |
|---|---|
| 1.500 kWh | rund 35 € |
| 2.500 kWh | rund 58 € |
| 3.500 kWh | rund 81 € |
| 4.250 kWh | rund 99 € |
| 5.000 kWh | rund 116 € |
Ein Wechsel bringt dreimal so viel
Wir haben die Steuerentlastung mit unseren aktuellen Tarifdaten verglichen. Grundlage sind 2.799 Postleitzahlgebiete mit zusammen rund 297.000 Tarifangeboten, erhoben vom 8. bis 12. Oktober 2026 für einen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden.
Die Grundversorgung kostet in diesen Gebieten im Schnitt 34,50 Cent je Kilowattstunde und 17,51 Euro Grundpreis im Monat, zusammen rund 1.418 Euro im Jahr. Der jeweils günstigste Tarif mit mindestens zwölf Monaten Preisgarantie liegt bei 28,90 Cent und 13,14 Euro Grundpreis, also rund 1.169 Euro. Boni sind dabei nicht eingerechnet.
Die Differenz beträgt im Schnitt 248 Euro im Jahr. In der Hälfte der Gebiete liegt sie zwischen 185 und 301 Euro. In neun von zehn Postleitzahlgebieten ist die Ersparnis größer als die 81 Euro aus der Steuersenkung.
| Stadt | Grundversorgung | Günstigster Tarif mit Preisgarantie | Ersparnis pro Jahr |
|---|---|---|---|
| Berlin | 1.500 € | 1.176 € | 324 € |
| Hamburg | 1.574 € | 1.311 € | 263 € |
| Köln | 1.379 € | 1.137 € | 242 € |
| Frankfurt am Main | 1.444 € | 1.246 € | 198 € |
| München | 1.297 € | 1.154 € | 143 € |
Vorsicht bei Bonus-Tarifen
Rechnet man die Boni ein, wirkt der Vorteil noch größer: Der Tarif mit den niedrigsten Kosten im ersten Jahr liegt im Schnitt 382 Euro unter der Grundversorgung. Dieser Vorsprung besteht in unseren Daten aber fast vollständig aus Boni von durchschnittlich 384 Euro. Ohne sie ist dieser Tarif im Schnitt nicht günstiger als die Grundversorgung.
Für Haushalte ist deshalb wichtig: Wer nach zwölf Monaten nicht erneut wechseln möchte, sollte auf Arbeitspreis und Grundpreis achten und nicht nur auf die Kosten im ersten Jahr. In unserem Stromtarif-Rechner lassen sich die Boni dafür ausblenden.
Preisgarantie: Die Stromsteuer ist ausgenommen
Viele Verbraucher fragen sich, ob sie mit einem neuen Vertrag von der Steuersenkung ausgeschlossen wären. Die Preisgarantie steht dem nicht entgegen. Wir haben dazu 1.093 Angebote in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt ausgewertet.
| Art der Preisgarantie | Angebote | Anteil | Was abgesichert ist |
|---|---|---|---|
| Eingeschränkte Preisgarantie | 602 | 55 % | Energiepreis und Netzentgelte, nicht Steuern, Abgaben und Umlagen |
| Volle Preisgarantie | 317 | 29 % | Alle Preisbestandteile, ausgenommen Mehrwertsteuer und Stromsteuer |
| Energiepreisgarantie | 87 | 8 % | Nur der Energiepreis |
| Ohne Preisgarantie | 87 | 8 % | – |
Bei allen drei Garantiearten ist die Stromsteuer nach den Tarifbedingungen nicht Teil der Garantie. Der Preis kann sich also auch während der Laufzeit ändern, wenn der Steuersatz sinkt.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jeder Anbieter eine Senkung sofort und vollständig weitergibt. Aus den Tarifdaten lässt sich das nicht ablesen. Entscheidend sind die gesetzlichen Vorgaben und die Vertragsbedingungen des jeweiligen Anbieters. Das Energiewirtschaftsgesetz (§ 118 Absatz 5) verpflichtet Lieferanten bei Verträgen außerhalb der Grundversorgung, Stromsteuer, Konzessionsabgabe, Umlagen und Netzentgelte zusammenzurechnen. Sinkt diese Summe, müssen sie das bei der nächsten vertraglichen Preisanpassung berücksichtigen.
Für Haushalte ist wichtig: Es zählt die Summe. Steigen gleichzeitig die Netzentgelte, kann das die Steuersenkung ganz oder teilweise aufzehren. Ob der Gesetzgeber für die Stromsteuer eine ausdrückliche Pflicht zur sofortigen Weitergabe vorsieht, ist noch offen.
Was Haushalte jetzt tun können
- Vertrag prüfen: Wer nie gewechselt hat, ist in der Grundversorgung und kann mit zwei Wochen Frist kündigen.
- Ohne Boni vergleichen: Arbeitspreis und Grundpreis zeigen, was der Tarif auch im zweiten Jahr kostet.
- Garantieart ansehen: Eine volle oder eingeschränkte Preisgarantie sichert auch die Netzentgelte ab, eine Energiepreisgarantie nicht.
Die Steuersenkung ist damit kein Grund, einen Wechsel aufzuschieben. Wer noch in der Grundversorgung ist oder lange nicht verglichen hat, verschenkt nach unseren Daten im Schnitt rund 21 Euro im Monat. Das ist so viel, wie die Steuersenkung in einem Vierteljahr bringen würde. Kommt die Entlastung später, ist sie durch eine Preisgarantie nicht blockiert.
Wer den eigenen Vertrag prüfen möchte, findet auf unserer Seite im Bereich Stromvergleich eine kostenlose und unverbindliche Möglichkeit zum Vergleich.
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